Arizonas Attorney General Kris Mayes hat beim 9th U.S. Circuit Court of Appeals beantragt, den Rechtsstreit gegen die Prognosemarkt-Plattform Kalshi erneut zu prüfen. Sie stützt sich auf ein jüngeres, anders ausgefallenes Urteil aus Nevada. Der Antrag könnte den seit Mai ruhenden Streit um Kalshis Sportereignis-Kontrakte neu beleben, bedeutet aber noch keinen Sieg für Arizona.
Der Vorstoß erfolgt vor dem Hintergrund, dass Kalshi seine Sportkontrakte auch im Fußballbereich ausbaut. Im Kern geht es darum, ob solche Angebote als Finanzprodukte unter die Aufsicht des Bundes fallen oder nach einzelstaatlichem Glücksspielrecht reguliert werden können.
Arizonas Verfahren gegen Kalshi ruht seit Mai
Im Mai stellte sich US District Judge Michael Liburdi in einer früheren Entscheidung auf die Seite Kalshis. Seine einstweilige Verfügung hinderte Arizona daran, das New Yorker Unternehmen wegen eines mutmaßlichen Verstoßes gegen das Glücksspielrecht des Bundesstaats strafrechtlich zu verfolgen. Zugleich ordnete Liburdi die Aufsicht über Plattformen wie Kalshi ausdrücklich der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) zu.
Kalshi bezeichnet seine Angebote als Event Contracts: Nutzer handeln dabei auf die Wahrscheinlichkeit realer Ereignisse. Das Unternehmen vertritt die Position, dass diese Verträge Finanzderivate und keine klassischen Wetten seien und deshalb in die Zuständigkeit der CFTC fielen. Mayes hält dagegen, Kalshi betreibe in Arizona illegal Glücksspiel.
Die Abgrenzung ist auch für Nutzer relevant, die sich mit der Funktionsweise von Prognosemärkten beschäftigen: Entscheidend ist im Streit nicht allein die Bezeichnung eines Produkts, sondern auch, wie die konkreten Kontrakte rechtlich einzuordnen sind.
Nevada-Entscheidung als Argument für Mayes
Mayes verweist auf eine Entscheidung des Ninth Circuit in einem parallelen Verfahren in Nevada. Dort wies das Gericht Kalshis Versuch zurück, die Glücksspielaufsicht des Bundesstaats an der Regulierung seiner Sportkontrakte zu hindern. Nach der in der Berichterstattung zum Arizona-Verfahren wiedergegebenen Begründung sind bestimmte Kontraktarten Sportwetten so ähnlich, dass sie nicht den von Kalshi beanspruchten bundesrechtlichen Schutz genießen. Nevada verhängte daraufhin strenge Beschränkungen gegen die Plattform.

Mayes argumentiert, die Verfahren in Arizona und Nevada seien praktisch identisch und müssten deshalb zum gleichen Ergebnis führen. Staatliche Regulierer sehen Sportkontrakte wirtschaftlich nicht von klassischen Sportwetten unterscheidbar; Kalshi beruft sich hingegen auf die bundesrechtliche Einordnung als Finanzderivate. Der Gegensatz zwischen diesen Positionen steht im Zentrum des Antrags.
Sollte Mayes Erfolg haben, könnten Prognosemarkt-Plattformen ohne staatliche Glücksspiellizenz Teile ihres Angebots in Arizona einschränken müssen. Das ist jedoch eine mögliche Folge und keine bereits feststehende Anordnung. Auch andere staatliche Maßnahmen gegen Prognosemärkte, etwa die Blockade von Polymarket in Portugal, beruhen auf eigenen rechtlichen Rahmenbedingungen und entscheiden den US-Fall nicht.
Nächster Schritt liegt beim Ninth Circuit
Zunächst muss der Ninth Circuit über den Antrag auf erneute Befassung entscheiden. Bis dahin bleibt Liburdis einstweilige Verfügung das zentrale Hindernis für Arizonas Vorgehen gegen Kalshi. Die gegensätzlichen Ergebnisse aus Arizona und Nevada machen die Rechtslage für Prognosemärkte zusätzlich uneinheitlich.
Mehrere Gesetzgeber fordern laut dem am 29. September 2026 veröffentlichten Bericht eine abschließende Klärung durch den Supreme Court der Vereinigten Staaten. Selbst wenn sich das höchste Gericht mit dem Fall befassen sollte, wäre ein Urteil voraussichtlich erst nach mehreren Monaten zu erwarten.