Österreichs geplanter Wechsel vom Online-Glücksspielmonopol zu einem Markt mit mehreren Lizenzen wäre ein bedeutender Einschnitt – doch Zeitplan und Zugangshürden sind noch mit Fragezeichen versehen. Felix Hohenthanner von der Kanzlei Rapani Rechtsanwälte und Simon Priglinger-Simader, Präsident der OVWG, sprachen beim SBC Summit 2026 in Lissabon über Chancen und Unsicherheiten der Reform. Ihre Einschätzungen folgten auf das Panel „DACH in the Driver’s Seat: Austria’s Landmark Shift to a Multi-Licence Market“.
Der Vorschlag, das österreichische Online-Glücksspielmonopol durch mehrere Lizenzen abzulösen, wäre laut Hohenthanner ein grundlegender Wandel für die Branche. Das Monopol sei seit rund 20 Jahren fest etabliert; noch zwei oder drei Jahre zuvor hätten die Gesprächspartner einen solchen Schritt kaum für realistisch gehalten.
Reform mit politischem und wirtschaftlichem Druck
Als wichtige Gründe für den Kurswechsel nannten die beiden eine geschätzte Kanalisierungsquote von rund 30 Prozent und den Bedarf des Staates an zusätzlichen Steuereinnahmen im Zuge eines EU-Defizitverfahrens. Die niedrige Quote verweist auf eine zentrale Herausforderung: Ein regulierter Markt muss für Spieler und Anbieter attraktiv genug sein, um Aktivität tatsächlich in legale Angebote zu lenken.

Der Entwurf sieht vor, dass Lizenzanträge ab dem 1. Januar 2027 möglich sein sollen. Die Lizenzen sollen am 1. Oktober 2027 in Kraft treten – dann läuft die bisherige alleinige Online-Lizenz von Win2Day aus. Hohenthanner hält den Zeitplan für sehr ambitioniert und bezweifelt, dass bereits im ersten Quartal 2027 ein laufendes Lizenzverfahren bestehen wird.
Auch das Verfahren selbst könnte den Start beeinflussen: Die Konsultation dauerte nur zwei Wochen und brachte mehr als 100 Stellungnahmen ein. Trotzdem sei der Entwurf im Wesentlichen unverändert nach Brüssel gegangen. Eine geplante Eingabe aus Malta könnte das Inkrafttreten des Gesetzes verzögern. Die politischen Schritte zur österreichischen Glücksspielreform stehen damit weiterhin im Zentrum der Zeitplan-Debatte.
Steuerregeln und Durchsetzung als Prüfsteine
Wie viele Unternehmen sich bewerben, hängt nach Einschätzung der Gesprächspartner auch von den wirtschaftlichen Bedingungen ab. Das Finanzministerium rechne mit bis zu 20 Anträgen, berichtete Priglinger-Simader; blieben zentrale Fragen ungelöst, könnten es weniger als zehn werden. Arthur Stadler, Gründungspartner von Stadler Partners, hielt auf dem Panel fünf bis zehn Bewerber für realistisch.
Als möglichen Dealbreaker nannte Priglinger-Simader, dass Rückzahlungen von Spielerforderungen offenbar nicht von der Steuerbemessungsgrundlage abgezogen werden können. Anbieter, die zuvor in Österreich aktiv waren, müssen zudem Spielerforderungen und Steuerrückstände begleichen. Wer nach dem 1. Januar 2027 weiter Dienste anbietet, muss demnach 18 Monate warten, bevor ein Lizenzantrag möglich ist. Die Debatte um Limits und Spielerschutz in der Reform bildet einen weiteren Teil des umstrittenen Regelwerks.
Offen ist außerdem, wann die zuständige Behörde für Zahlungssperren und IP-Blocking eingerichtet wird und wie konsequent sie diese Maßnahmen durchsetzen kann. Priglinger-Simader würde 15 Anbieter bereits als Erfolg der Regulierung werten; bei zu wenigen Anträgen müsse die Regierung möglicherweise nachbessern. Entscheidend wird daher nicht nur der Starttermin sein, sondern auch, ob die Regeln ein legales Angebot ermöglichen, das Spieler und Betreiber überzeugt.