Im Juli 2027 soll Finnlands regulierter Online-Glücksspielmarkt starten – doch die Anbieter gehen mit höchst unterschiedlichen Voraussetzungen ins Rennen. Während einige bereits über große finnische Kundendatenbanken verfügen, beginnen andere ohne bestehende Spielerschaft. Antti Koivula, Chief Compliance Officer von Hippos ATG, sieht darin eine zentrale Herausforderung für faire Wettbewerbsbedingungen.
Veikkaus bringt Millionen Kunden mit
Koivula sprach beim SBC Summit in Lissabon auf einem Panel über den Start des neuen europäischen Marktes. Neben ihm diskutierten Vertreter von Paf, Betsson Europe, Finnplay und NordPlay Group über die bevorstehende Öffnung. Im Anschluss erläuterte Koivula gegenüber iGB, dass manche Betreiber ihre bereits vorhandenen finnischen Kunden mitnehmen können, während eine Handvoll Anbieter bei null anfangen muss.
Zu den Neueinsteigern zählt Hippos ATG, ein Gemeinschaftsunternehmen des schwedischen Betreibers ATG und des finnischen Trabrennsportverbands Suomen Hippos. Besonders groß ist der Vorsprung des staatlichen Anbieters Veikkaus: Er hat mehr als 2,7 Millionen Kunden. Koivula erwartet, dass mehr als zwei Millionen Nutzer aus den Bereichen Sportwetten und Casino in den neuen Markt übertragen werden können.
Der Wechsel folgt auf eine lange Phase des staatlichen Monopols. Finnlands drei staatliche Glücksspielanbieter wurden 2017 in Veikkaus zusammengeführt. Koivula hält die Reform für überfällig und vertritt die Einschätzung, dass sie bereits zehn oder 15 Jahre früher hätte kommen sollen. Auch die Debatte um Spielerschutz-Regeln in Finnland zeigt, wie stark die Ausgestaltung des neuen Systems die Betreiber beschäftigt.

Kann die Aufsicht vom ersten Tag an arbeiten?
Anträge auf Lizenzen können bereits vor dem Marktstart gestellt werden. Die neue Aufsichtsbehörde soll ihre Zuständigkeit am 1. Juli 2027 übernehmen. Noch wird eine Leitungsperson gesucht, deren Amtsantritt für Januar vorgesehen ist. Damit blieben anschließend sechs Monate, um die Behörde auf ihre Aufgaben vorzubereiten.
Koivula rechnet damit, dass die Lizenzen rechtzeitig erteilt werden. Seine Bedenken betreffen vor allem die praktische Einsatzfähigkeit der Aufsicht: Zu Beginn könnte es an konkreten Leitlinien und an Kapazität fehlen, um den Schwarzmarkt zu überwachen. Den Veröffentlichungen der Behörden zufolge soll die finnische Aufsicht weniger als halb so viele Beschäftigte haben wie ihr dänisches Gegenstück – obwohl beide Länder eine ähnliche Größe haben.
Auch die wirtschaftliche Entwicklung erklärt den Reformdruck. Seit der Veikkaus-Fusion ist der Bruttospielertrag in Finnland nach Koivulas Angaben um rund 45 Prozent von etwa 1,7 bis 1,8 Milliarden Euro gesunken; die Zahlungen an den Staat gingen in ähnlicher Größenordnung zurück. Veikkaus bleibt staatlich, und einen Teilverkauf erwartet Koivula frühestens ab 2030.
Wettbewerb braucht belastbare Rahmenbedingungen
Der finnische Markt gilt wegen hoher Glücksspielausgaben pro Kopf und einer bereits ausgeprägten Spielbeteiligung als attraktiv. Für Hippos ATG und andere Anbieter ohne vorhandene Kundendaten läuft der Countdown bis Juli 2027. Entscheidend wird nicht allein der Marktzugang sein: Die neue Aufsicht muss auch praktisch handlungsfähig sein, damit aus der geplanten Öffnung ein Wettbewerb mit tragfähigen und fairen Bedingungen wird.