Paf und Facebook wollen in der Schweiz gemeinsam gegen Werbung illegaler Glücksspielanbieter vorgehen. Das vereinbarte Pilotprojekt soll Meta helfen, lizenzierte und nicht lizenzierte Betreiber auf der Plattform besser zu unterscheiden. Paf-Direktor Jesper Eliasson kündigte den Test bei der SBC Summit Lisbon an; die Arbeit sollte kurz nach der Vereinbarung beginnen.
Der Schritt setzt auf Zusammenarbeit statt auf Konfrontation: Wenige Tage zuvor hatte der niederländische Branchenverband VNLOK Meta wegen illegaler Glücksspielwerbung rechtlich angegangen. Auch die Kritik an Metas Umgang mit illegalen Glücksspielanzeigen zeigt, wie stark die Verantwortung von Plattformen in der Branche diskutiert wird.

Lizenzdaten sollen die Prüfung erleichtern
Im Rahmen des Piloten will Paf bestimmte Informationen mit Meta teilen, darunter Lizenzunterlagen und Internetadressen. Die Daten sollen Facebook dabei helfen, den Status von Glücksspielanbietern und Affiliates zu prüfen. Eine Herausforderung sind laut Eliasson Werbemittel von Offshore-Anbietern, die bestehende Kontrollen umgehen, sowie Lizenzangaben aus unterschiedlichen Rechtsräumen, die sich nur schwer verifizieren lassen.
Paf wird von der Regierung Ålands kontrolliert und ist Technologiepartner von mycasino.ch, dem Schweizer Marktführer. Die Marke gehört Grand Casino Luzern und startete 2019. Eliasson zufolge entwickelte sie sich nach 16 Monaten zu einem Unternehmen mit 70 Millionen Euro Umsatz und klarer Marktführerschaft; inzwischen erwirtschafte die Seite jährlich mehr als 100 Millionen Euro und halte über 30 Prozent des Marktes.
Eliasson begründet den Schweizer Fokus mit seiner Verantwortung für das dortige Geschäft und der Partnerschaft mit Grand Casino Luzern. In Lissabon traf er Facebook-Vertreter gemeinsam mit Wolfgang Bliem, dem CEO des Casinos. Wer Facebook bei dem Treffen vertrat, wurde nicht bekannt gegeben.
Schweizer Regulator soll eingebunden werden
Paf plant nach Eliassons Angaben keine finanzielle Investition in das Vorhaben, sondern bringt Zeit und Gespräche ein. Zugleich soll der Schweizer Regulator an den Tisch kommen. Der Pilot soll damit nicht nur den Datenaustausch zwischen Anbieter und Plattform erproben, sondern auch die Zusammenarbeit mit der Aufsicht ermöglichen.
Wolfgang Bliem nannte fehlende Zahlungssperren und das Monopol der Lotterien auf Sportwetten als Schwachstellen des Schweizer Marktes. Jesper Eliasson warnte zudem, dass Spieler bei stark eingeschränkten Angeboten auf ausländische Plattformen ausweichen könnten. Auch die Kontrolle der Glücksspielwerbung in sozialen Medien steht international zunehmend im Fokus.
Paf hält eine Ausweitung auf weitere Märkte für möglich
Ob der Test die erhoffte Wirkung erzielt, ist offen. Paf will den Ansatz bei Bedarf überarbeiten und eine andere Lösung suchen, zugleich aber unabhängig vom Ergebnis weiter mit Facebook gegen illegale Anbieter arbeiten. Sollte das Schweizer Modell funktionieren, möchte Eliasson es auf weitere Märkte übertragen und damit einen Präzedenzfall für Europa schaffen.