{"id":74738,"date":"2026-01-29T12:40:51","date_gmt":"2026-01-29T10:40:51","guid":{"rendered":"https:\/\/casinobeats.com\/de\/?p=74738"},"modified":"2026-01-29T12:40:52","modified_gmt":"2026-01-29T10:40:52","slug":"krieg-frisst-milliarden-warum-moskau-nun-auf-online-gluecksspiel-setzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/casinobeats.com\/de\/2026\/01\/29\/krieg-frisst-milliarden-warum-moskau-nun-auf-online-gluecksspiel-setzt\/","title":{"rendered":"Krieg frisst Milliarden: Warum Moskau nun auf Online-Gl\u00fccksspiel setzt"},"content":{"rendered":"\n
Russlands Staatsfinanzen geraten zunehmend unter Druck. Die Kosten des Krieges gegen die Ukraine, sinkende Energieeinnahmen und eine anhaltend hohe Inflation zwingen den Kreml zu immer ungew\u00f6hnlicheren Ma\u00dfnahmen. Nun r\u00fcckt ein Thema in den Fokus, das bislang als moralisch verwerflich galt: Online-Gl\u00fccksspiel. Finanzminister Anton Siluanow bringt offen die Legalisierung von Online-Casinos ins Spiel, verbunden mit der Hoffnung auf Milliarden-Einnahmen f\u00fcr den klammen Staatshaushalt<\/a>.<\/p>\n\n\n\n Was auf den ersten Blick wie ein rein fiskalischer Vorsto\u00df wirkt, entfaltet bei genauerer Betrachtung eine enorme politische, gesellschaftliche und moralische Sprengkraft.<\/p>\n\n\n\n Laut Berichten russischer Wirtschaftsmedien rechnet das Finanzministerium bei einer Legalisierung mit j\u00e4hrlichen Steuereinnahmen von umgerechnet rund einer Milliarde Euro. Geplant sei eine Besteuerung der Ums\u00e4tze mit etwa 30 Prozent. F\u00fcr Siluanow ist das offenbar ein pragmatischer Schritt, um neue Einnahmequellen zu erschlie\u00dfen, nachdem klassische Instrumente zunehmend versagen.<\/p>\n\n\n\n Doch genau dieser Pragmatismus st\u00f6\u00dft im eigenen Land auf scharfe Kritik. Der Wirtschaftswissenschaftler Michail Swiridow spricht von einem \u201ezynischen Eingest\u00e4ndnis des Scheiterns\u201c. Russland habe den Kampf gegen Online-Gl\u00fccksspiel nie wirklich gewonnen \u2013 nun wolle man zumindest davon profitieren. Gleichzeitig warnt er vor langfristigen sozialen Folgekosten, die m\u00f6gliche Steuereinnahmen \u00fcbersteigen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n Besonders brisant ist der Vorsto\u00df vor dem Hintergrund der offiziellen Ideologie des Kremls. Seit Jahren rechtfertigt die russische F\u00fchrung Zensur, Verbote und gesellschaftliche Repression mit dem Schutz \u201etraditioneller Werte\u201c. Alkoholverkaufsbeschr\u00e4nkungen, Abtreibungsdebatten und mediale Zensur geh\u00f6ren zum politischen Alltag.<\/p>\n\n\n\n Politologe Georgi Bovt bringt den Widerspruch auf den Punkt: W\u00e4hrend Filme wegen \u201emoralischer Abweichungen\u201c beschnitten werden, soll ausgerechnet Online-Gl\u00fccksspiel legalisiert werden \u2013 aus purer Geldnot. Der \u201eKampf um Moral\u201c eskaliere nicht wegen Werte, sondern wegen leerer Kassen.<\/p>\n\n\n\n Auch Blogger und Kommentatoren reagieren sarkastisch. Die R\u00fcckkehr der Casinos wird mit den chaotischen 1990er-Jahren verglichen \u2013 einer Zeit, in der Spielautomaten ganze Bev\u00f6lkerungsschichten in Armut trieben.<\/p>\n\n\n\n Kritik kommt nicht nur aus liberalen Kreisen. Auch Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche warnen vor den Folgen. Gl\u00fccksspiel treffe vor allem sozial schwache Familien und k\u00f6nne bestehende Probleme wie Verschuldung, Sucht und famili\u00e4ren Zerfall massiv versch\u00e4rfen. Gerade in Zeiten sinkender Realeinkommen sei die Hoffnung auf gro\u00dfe Spieleins\u00e4tze illusorisch.<\/p>\n\n\n\n Publizist Ilja Graschtschenkow bezweifelt zudem den wirtschaftlichen Nutzen: Angesichts der Inflation h\u00e4tten viele Russen schlicht kein Geld mehr zum Spielen. Der Staat riskiere soziale Sch\u00e4den, ohne nennenswerte fiskalische Ertr\u00e4ge zu erzielen.<\/p>\n\n\n\n International ist die Debatte um Gl\u00fccksspiel und geopolitische Ereignisse l\u00e4ngst angekommen. Prognosem\u00e4rkte, politische Wetten und Konfliktspekulationen stehen zunehmend unter regulatorischer Beobachtung. Auch westliche Beh\u00f6rden reagieren sensibel, wenn Konflikte monetarisiert werden, wie etwa bei Ermittlungen in den Niederlanden gegen Polymarket nach Wetten auf Weltkonflikte<\/a>.<\/p>\n\n\n\n Russlands Situation ist jedoch besonders: Die geplante Legalisierung erfolgt nicht aus Marktliberalisierung oder Spielerschutz, sondern aus akuter Haushaltsnot. Das unterscheidet den Vorsto\u00df fundamental von regulierten Gl\u00fccksspielm\u00e4rkten in Europa.<\/p>\n\n\n\n Der geplante Schritt offenbart ein tieferliegendes Problem: Der russische Staat greift zunehmend auf kurzfristige Einnahmequellen zur\u00fcck, die gesellschaftlich hochriskant sind. Wenn selbst Laster wie Gl\u00fccksspiel offen instrumentalisiert werden, um Kriegskosten zu decken, stellt sich eine grunds\u00e4tzliche Frage nach der wirtschaftlichen Perspektive des Landes.<\/p>\n\n\n\n Ein sarkastischer Kommentar aus russischen Medien bringt es bitter auf den Punkt: \u201eDie gute Nachricht ist, es gibt viele Laster. Die schlechte ist, dass ihre Opfer immer mehr werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n Die Debatte um Online-Casinos ist mehr als eine steuerpolitische Randnotiz. Sie zeigt, wie sehr finanzielle Zw\u00e4nge inzwischen selbst ideologische Grunds\u00e4tze des Kremls untergraben. Ob die Legalisierung tats\u00e4chlich kommt, ist offen. Doch schon die Diskussion dar\u00fcber sendet ein klares Signal: Russlands wirtschaftlicher Spielraum schrumpft \u2013 und mit ihm die Glaubw\u00fcrdigkeit des moralischen Anspruchs der Staatsf\u00fchrung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":" Russlands Staatsfinanzen geraten zunehmend unter Druck. Die Kosten des Krieges gegen die Ukraine, sinkende Energieeinnahmen und eine anhaltend hohe Inflation zwingen den Kreml zu immer ungew\u00f6hnlicheren Ma\u00dfnahmen. Nun r\u00fcckt ein Thema in den Fokus, das bislang als moralisch verwerflich galt: Online-Gl\u00fccksspiel. 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\u201eTraditionelle Werte\u201c versus Staatskasse<\/h2>\n\n\n\n
Gesellschaftliche Risiken und soziale Sprengkraft<\/h2>\n\n\n\n
Russland folgt einem globalen Trend \u2013 mit Sonderrisiken<\/h2>\n\n\n\n
Symbol einer strategischen Sackgasse<\/h2>\n\n\n\n
Fiskalische Not frisst politische Glaubw\u00fcrdigkeit<\/h2>\n\n\n\n