Millionen fließen in Anwälte und Verfahren
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Die britische Glücksspielaufsicht steht wegen massiv gestiegener Ausgaben unter Druck. Wie aus dem aktuellen Jahresbericht hervorgeht, sind die Gesamtkosten der Gambling Commission im Geschäftsjahr 2024/25 um satte 49 Prozent gestiegen. Haupttreiber ist ein langwieriger Rechtsstreit rund um die Vergabe der vierten National Lottery Lizenz, der den Steuerzahler Millionen kostet.

Insgesamt beliefen sich die Betriebsausgaben der Behörde auf 60,3 Millionen Pfund. Im Vorjahr lagen sie noch bei 40,4 Millionen Pfund. Allein die Rechtskosten explodierten regelrecht und stiegen von 353.000 Pfund auf mehr als 14 Millionen Pfund.

Rechtsstreit um National Lottery treibt Kosten in die Höhe

Konkret entfielen 13,4 Millionen Pfund der Rechtskosten auf die Verteidigung gegen Klagen der New Lottery Company. Das Unternehmen gehört dem Medienunternehmer Richard Desmond und hatte sich im Bieterverfahren um die vierte National Lottery Lizenz erfolglos beworben.

Die Kläger argumentieren, sie seien in ein kostspieliges Ausschreibungsverfahren gelockt worden, obwohl sie faktisch keine realistische Chance auf den Zuschlag gehabt hätten. Die Gambling Commission weist diese Vorwürfe zurück und verteidigt sich in gleich zwei laufenden Verfahren. 

Der Prozess begann bereits im Oktober 2025 und ist weiterhin nicht abgeschlossen. Ein Großteil der Ausgaben floss dabei an zwei externe Kanzleien, die mit der rechtlichen Verteidigung beauftragt wurden.

Die Entwicklung fällt in eine Phase, in der der gesamte britische Glücksspielmarkt unter Druck steht. Immer mehr lizenzierte Anbieter ziehen sich zurück oder reduzieren ihre Aktivitäten deutlich.

Trotz Kostenanstieg bleibt ein finanzielles Polster

Trotz der stark gestiegenen Ausgaben weist die Glücksspielaufsicht weiterhin Rücklagen aus. Zum Ende des Geschäftsjahres verfügte die Behörde über Reserven in Höhe von 10,9 Millionen Pfund. Im Vorjahr waren es noch 13,6 Millionen Pfund.

Die Einnahmen aus Regulierungsgebühren stiegen nur leicht von 26,2 auf 27,9 Millionen Pfund. Zusätzlich erhielt die Behörde staatliche Zuschüsse für den Betrieb der National Lottery in Höhe von 29,1 Millionen Pfund. Im Jahr zuvor waren es lediglich 14,4 Millionen Pfund gewesen.

CEO Andrew Rhodes betonte im Vorwort des Berichts, dass die umfangreiche Arbeit im Jahr 2024/25 eine wichtige Grundlage dafür geschaffen habe, den Glücksspielmarkt künftig sicherer, fairer und kriminalitätsfrei zu gestalten.

Mehr Personal und deutlich mehr Kontrollen

Nicht nur die Rechtskosten legten zu. Auch die Personalausgaben stiegen deutlich an. Sie erhöhten sich von 24 auf 27,8 Millionen Pfund. Die Zahl der Beschäftigten wuchs um 11,5 Prozent auf insgesamt 416 Mitarbeitende zum Stichtag 31. März 2025.

Parallel dazu intensivierte die Behörde ihre Aufsichtstätigkeit erheblich. Im Berichtsjahr wurden mehr als 9.700 Compliance-Maßnahmen durchgeführt. Das ist mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr und rund 3.000 mehr als in jedem anderen Jahr zuvor.

Gegen 24 lizenzierte Anbieter wurden formelle Durchsetzungsmaßnahmen ergriffen. Die daraus resultierenden Geldstrafen und Vergleichszahlungen beliefen sich auf 4,2 Millionen Pfund. Dieser Wert liegt unter dem Niveau des Vorjahres, was die Behörde als Hinweis auf verbesserte Compliance Standards wertet.

Vorgehen gegen illegales Glücksspiel verschärft

Auch im Kampf gegen illegale Anbieter wurde die Aktivität deutlich ausgeweitet. Insgesamt verschickte die Glücksspielaufsicht 516 Unterlassungsaufforderungen an nicht lizenzierte Betreiber. Im Vorjahr waren es noch 384 gewesen.

Darüber hinaus wurden fast 96.000 illegale Glücksspiel URLs nach Hinweisen an Suchmaschinen aus dem Netz entfernt. Weitere 352 Schreiben gingen an Werbetreibende und Affiliates, die für nicht lizenzierte Angebote geworben hatten.

Ein besonderes Augenmerk lag zudem auf der Arbeit der Sports Betting Intelligence Unit. Diese war unter anderem an den Ermittlungen zu Wettvergehen im Zusammenhang mit der britischen Parlamentswahl beteiligt. In diesem Zusammenhang wurden 15 Personen wegen Betrugsdelikten angeklagt.

Teure Prozesse in einer kritischen Marktphase

Der Jahresbericht zeigt deutlich, wie stark juristische Auseinandersetzungen die Arbeit und die Finanzen der britischen Glücksspielaufsicht belasten. Während die Gambling Commission ihre Kontrolltätigkeit ausweitet und personell aufstockt, verschlingen langjährige Rechtsstreitigkeiten zweistellige Millionenbeträge.

Vor dem Hintergrund steigender Steuern, strengerer Regulierung und eines wachsenden Rückzugs lizenzierter Anbieter stellt sich zunehmend die Frage, wie nachhaltig dieses Modell für den britischen Glücksspielmarkt ist.

Timm Schaffner

Seit mehr als zehn Jahren arbeitet Timm Schaffner als freier Redakteur für diverse Online-Magazine und gilt als anerkannter Experte für iGaming. Zu seinen besonderen Fachgebieten zählen das deutsche Glücksspielrecht sowie internationale Entwicklungen...