Tony Bloom steht in Großbritannien im Streit um Millionen aus Wettgewinnen vor Gericht
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Der britische Unternehmer und professionelle Glücksspieler Tony Bloom muss sich derzeit vor dem High Court in London mit einer Klage aus seinem unmittelbaren beruflichen Umfeld auseinandersetzen. Im Kern geht es um die Frage, ob Bloom einem ehemaligen Mitarbeiter und Geschäftspartner noch hohe Beträge aus gemeinsamen Wettgeschäften schuldet. Bloom bestreitet dies und verweist auf bereits erfolgte Zahlungen sowie auf die Rolle eines dritten Beteiligten.

Bloom hat sein Vermögen über Jahre hinweg mit datengetriebenen Sportwetten aufgebaut und ist zugleich Mehrheitseigentümer des englischen Fußballklubs Brighton & Hove Albion. Der nun verhandelte Fall rückt jedoch nicht den Profifußball, sondern die internen Abläufe eines professionellen Wettsyndikats in den Mittelpunkt. Geklagt hat Ryan Dudfield, der früher für Blooms Analysefirma tätig war und nach eigener Darstellung Anspruch auf mehr als 13 Millionen Pfund aus nicht ausgezahlten Gewinnen erhebt.

Vereinbarungen und Rollenverteilung im Wettsystem

Ausgangspunkt des Streits ist eine Abmachung zwischen Bloom, Dudfield und dem politischen Berater George Cottrell. Cottrell ist ein britischer Politikberater, der unter anderem als früherer Wahlkampfhelfer der UKIP bekannt wurde und seine persönlichen Glücksspielkonten für die Abwicklung der gemeinsamen Wetten zur Verfügung stellte.

Über einen längeren Zeitraum wurden Wetten über Glücksspielkonten platziert, die auf den Namen Cottrells liefen. Die erzielten Gewinne sollten nach einem festgelegten Schlüssel verteilt werden. Bloom sollte den größten Anteil erhalten, während Dudfield und Cottrell mit kleineren prozentualen Beteiligungen eingeplant waren.

Bloom erkennt diese grundsätzliche Struktur an, betont jedoch, dass Dudfields Beteiligung zeitlich begrenzt gewesen sei. Nach seiner Darstellung endete Dudfields Anspruch bereits Ende 2022. Zu diesem Zeitpunkt habe es eine Abrechnung gegeben, mit der die Zusammenarbeit faktisch abgeschlossen worden sei. Spätere Gewinne seien nicht mehr Teil der ursprünglichen Vereinbarung gewesen.

Zahlungen und widersprüchliche Auffassungen

Im weiteren Verlauf kam es dennoch zu einer Zahlung in Höhe von 60.000 Pfund an Dudfield. Diese Summe wurde laut Bloom bewusst als abschließende Regelung gezahlt, um mögliche weitere Streitigkeiten zu vermeiden. Vor Gericht wurde sie als reine Ausgleichszahlung bezeichnet, ohne Anerkennung weiterer Verpflichtungen.

Dudfield interpretiert die Zahlung hingegen nicht als endgültige Abgeltung. Er geht davon aus, dass ihm auch aus späteren Wettgewinnen Anteile zustehen, da die zugrunde liegenden Strukturen fortbestanden hätten. Bloom weist diese Sichtweise zurück und erklärt, es habe weder eine vertragliche Grundlage noch eine stillschweigende Vereinbarung für weitere Ansprüche gegeben.

Verweis auf George Cottrell

Ein zentraler Bestandteil der Verteidigung Blooms ist der Hinweis auf George Cottrell. Da die Wettkonten auf dessen Namen geführt wurden, sieht Bloom keine möglichen Zahlungsansprüche vor. Sollte Dudfield der Auffassung sein, dass ihm Gelder vorenthalten wurden, müsse er diese gegenüber Cottrell geltend machen.

Diese Argumentation unterstreicht, wie eng persönliche Beziehungen und wirtschaftliche Abhängigkeiten in professionellen Wettstrukturen miteinander verknüpft sind. Zugleich macht sie deutlich, wie schwierig die rechtliche Bewertung wird, wenn Absprachen nicht eindeutig dokumentiert sind.

Hohe Gewinne und unterschiedliche Darstellungen

Im Verfahren wurde bekannt, dass das Wettsyndikat in einzelnen Phasen Millionenbeträge erwirtschaftete. Bloom räumte ein, dass in bestimmten Zeiträumen sehr hohe Gewinne erzielt wurden. Angaben, wonach das Syndikat jährlich Gewinne im dreistelligen Millionenbereich erwirtschafte, wies er jedoch entschieden zurück und bezeichnete sie als stark überzogen.

Die Auseinandersetzung liefert damit seltene Einblicke in ein Geschäftsfeld, das normalerweise weitgehend abgeschirmt bleibt. Die Nutzung von Konten Dritter, komplexe Gewinnverteilungen und informelle Absprachen gehören offenbar zum Alltag solcher Strukturen.

Offener Ausgang vor Gericht

Wie der High Court den Fall bewertet, ist derzeit offen. Unabhängig vom Urteil zeigt der Streit, wie schnell interne Vereinbarungen im professionellen Glücksspiel zu langwierigen juristischen Konflikten führen können. Für Tony Bloom steht dabei nicht nur eine finanzielle Frage im Raum, sondern auch die öffentliche Beleuchtung eines Geschäftsmodells, das üblicherweise diskret im Hintergrund operiert.

Timm Schaffner

Seit mehr als zehn Jahren arbeitet Timm Schaffner als freier Redakteur für diverse Online-Magazine und gilt als anerkannter Experte für iGaming. Zu seinen besonderen Fachgebieten zählen das deutsche Glücksspielrecht sowie internationale Entwicklungen...