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Niederlande: KSA äußert Bedenken bezüglich der Risikoanalyse für Online-Glücksspiele 

Mängel bei den Risikoanalysen von Online-Spielen festgestellt
Foto von Niek Doup auf Unsplash

Die niederländische Glücksspielaufsicht Kansspelautoriteit (KSA) hat in einer Untersuchung deutliche Mängel bei den Risikoanalysen von Online-Spielen festgestellt. Nach Ansicht der Behörde funktionieren die derzeit eingesetzten Verfahren nicht zuverlässig. Sie schützen Spieler kaum, verursachen hohe Kosten und führen zu Ergebnissen, die sich schwer vergleichen lassen. Damit stellt sich die Frage, wie wirksam die aktuelle Präventionsstrategie im digitalen Glücksspiel tatsächlich ist.

Veraltete Methoden ohne Weiterentwicklung

Besonders verbreitet sind die Analyseinstrumente Asterig und Gamgard. Asterig ist seit 2010 im Einsatz und wurde zuletzt 2013 angepasst. Es ist öffentlich zugänglich, doch nach Einschätzung der KSA fehlen wissenschaftliche Belege für Zuverlässigkeit und praktische Anwendbarkeit. 

Gamgard ist nur eingeschränkt nutzbar, da es wenige Risikofaktoren berücksichtigt. Zudem ist es nicht transparent, weil es nicht öffentlich einsehbar ist. Beide Methoden entstanden, bevor der niederländische Online-Markt 2021 legalisiert wurde, und wurden seitdem nicht weiterentwickelt, obwohl ihre Schwächen bekannt waren.

Die KSA betont, dass die Verfahren mit den Entwicklungen des Marktes nicht Schritt gehalten haben. Neue Spielformen und digitale Innovationen seien nicht ausreichend berücksichtigt.

Analysen auf Kategoriebasis

Viele Betreiber entscheiden sich aus Kostengründen dafür, Risikoanalysen nicht für jedes einzelne Spiel, sondern für ganze Kategorien durchzuführen. Diese Vorgehensweise kann dazu führen, dass einigen Spielen ein zu niedriges Risikoniveau zugewiesen wird. Die KSA hält dies für problematisch in Bezug auf den Spielerschutz.

Die Vorschriften lassen bislang offen, ob die Bewertung auf Spielebene oder auf Kategorien erfolgen muss. Diese Lücke hat dazu geführt, dass die Anbieter unterschiedlich vorgehen und Ergebnisse kaum miteinander vergleichbar sind.

Uneinheitliche Resultate 

Die Untersuchung zeigt, dass identische Spiele von verschiedenen Betreibern unterschiedlich bewertet werden. Darüber hinaus scheint derselbe externe Berater je nach Auftraggeber sogar zu unterschiedlichen Einschätzungen eines Spiels zu gelangen. Solche Unterschiede untergraben die Glaubwürdigkeit der Analysen und erschweren eine klare Risikoeinordnung.

Es scheint auch nicht immer nachvollziehbar zu sein, ob externe Gutachter tatsächlich unabhängig sind und über die notwendige Fachkompetenz verfügen. Auch die Transparenz, wie genau die Bewertungen zustande kommen, ist nach Ansicht der Behörde unzureichend.

Ausblick auf neue Vorgaben

Die KSA macht sich schon seit Langem für den Spielerschutz stark. Die Behörde kommt zu dem Schluss, dass das aktuelle System der Risikoanalysen nicht funktionsfähig ist. Gemeinsam mit dem Justiz- und Innenministerium sollen Verbesserungen entwickelt werden. Ziel ist ein einheitliches Verfahren, das Risiken nachvollziehbar darstellt und den Spielerschutz stärkt.

Für Anbieter würde das eine Anpassung ihrer Prozesse bedeuten. Für Spieler könnten neue Regeln mehr Transparenz und Sicherheit schaffen. Damit deutet sich eine Reform an, die die Grundlage für einen zuverlässigeren Umgang mit den Risiken des Online-Glücksspiels in den Niederlanden bilden könnte.

Timm Schaffner

Timm Schaffner iGaming Experte

Seit mehr als zehn Jahren arbeitet Timm Schaffner als freier Redakteur für diverse Online-Magazine und gilt als anerkannter Experte für iGaming. Zu seinen besonderen Fachgebieten zählen das deutsche Glücksspielrecht sowie internationale Entwicklungen auf dem iGaming-Markt.

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