ARD- und SWR-Recherchen werfen Fragen zur Marktpräsenz von bet365 auf
Foto von Dominik Kuhn auf Unsplash

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Klare gesetzliche Vorgaben sollen den deutschen Sportwettenmarkt ordnen und kontrollierbar machen. Eine Recherche von ARD und SWR stellt nun infrage, ob diese Regeln im Fall des internationalen Anbieters bet365 tatsächlich greifen. Im Mittelpunkt steht der Verdacht, dass Sportwetten aus Deutschland heraus möglich sind, obwohl dem Unternehmen keine deutsche Erlaubnis erteilt wurde. Der Fall lenkt den Blick auf eine Problematik, die den regulierten Markt seit Jahren begleitet: die Durchsetzung nationaler Regeln gegenüber global agierenden Online-Anbietern.

Zugriff auf das Angebot aus Deutschland möglich

Nach den Recherchen war es möglich, von Deutschland aus auf das Sportwettenangebot von bet365 zuzugreifen und aktiv Wetten zu platzieren. Genau dieser Punkt ist aus rechtlicher Sicht entscheidend. Der Glücksspielstaatsvertrag erlaubt Sportwetten nur Anbietern mit einer gültigen deutschen Lizenz. Fehlt diese Erlaubnis, gilt das Angebot als unerlaubt, unabhängig davon, ob der Betreiber in anderen Ländern zugelassen ist.

Laut der Recherche verfügte bet365 zum Zeitpunkt der Untersuchung nicht über eine deutsche Sportwettenlizenz. Dennoch blieb das Angebot für deutsche Nutzer erreichbar. Die Autoren stellen infrage, ob technische oder organisatorische Maßnahmen existieren, die den deutschen Markt tatsächlich wirksam ausschließen.

Ausländische Lizenzen und ihre Grenzen

Bet365 beruft sich laut Bericht auf Genehmigungen aus dem Ausland. Nach deutschem Recht reicht dies jedoch nicht aus. Maßgeblich ist allein eine Erlaubnis der zuständigen deutschen Behörde. Diese klare Trennung zwischen nationalem Recht und internationalen Lizenzen ist ein zentraler Punkt der Recherche.

Problematisch ist dabei vor allem die Perspektive der Nutzer. Für viele Spieler ist kaum erkennbar, ob ein Angebot über eine deutsche Lizenz verfügt oder nicht. Eine bekannte Marke und ein professioneller Auftritt können leicht den Eindruck erwecken, es handle sich um ein vollständig legales Angebot. Genau hierin sehen Experten laut Bericht ein Risiko für Transparenz und Spielerschutz.

Gerichte haben sich wiederholt mit bet365 befasst

Die Recherche verweist auch auf frühere Gerichtsverfahren in Deutschland, in denen das Angebot von bet365 eine Rolle spielte. In mehreren Fällen mussten Gerichte klären, ob Wettverträge wirksam zustande gekommen sind, obwohl der Anbieter keine deutsche Erlaubnis besaß.

Einige dieser Verfahren endeten mit der Einschätzung, dass solche Verträge unwirksam sein können. Auch wenn es sich dabei um Einzelfallentscheidungen handelt, zeigen sie, dass die rechtliche Bewertung des Geschäftsmodells seit Jahren umstritten ist. Eine abschließende Klärung auf höchster Ebene fehlt bislang.

Stellungnahme des Unternehmens

In der Recherche weist bet365 die Vorwürfe zurück. Das Unternehmen erklärt, man halte sich an geltendes Recht und sei nur in Märkten aktiv, in denen dies rechtlich zulässig sei. Zudem verweist bet365 auf bestehende Genehmigungen innerhalb der Europäischen Union.

Die Autoren stellen diese Aussagen den eigenen Testergebnissen gegenüber. Aus ihrer Sicht bleibt offen, ob die ergriffenen Maßnahmen ausreichen, um den deutschen Markt tatsächlich auszuschließen. Gerade diese Diskrepanz zwischen Selbstdarstellung und überprüfbarer Praxis bildet einen Kernpunkt der Kritik.

Schwierige Aufgabe für die Aufsicht

Der Fall macht deutlich, wie anspruchsvoll die Kontrolle internationaler Online-Anbieter für nationale Behörden ist. Während die gesetzlichen Vorgaben eindeutig formuliert sind, stoßen Aufsichtsbehörden bei der praktischen Durchsetzung an Grenzen. Angebote lassen sich technisch leicht zugänglich machen, selbst wenn sie offiziell nicht für den deutschen Markt bestimmt sind.

Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder steht damit vor einer dauerhaften Herausforderung. Der Bericht zeigt, dass selbst bekannte Anbieter nicht automatisch außerhalb jeder Grauzone agieren.

Offene Fragen zur Durchsetzung des Glücksspielrechts

Der Investigativartikel zieht kein abschließendes Fazit, wirft aber grundlegende Fragen auf. Entscheidend ist, ob der Zugriff aus Deutschland als unerlaubtes Angebot zu werten ist und welche Konsequenzen daraus folgen könnten. Der Fall bet365 steht damit beispielhaft für die Spannungen zwischen Regulierung und digitaler Realität.

Für den deutschen Glücksspielmarkt geht es dabei um mehr als einen einzelnen Anbieter. Es geht um die Glaubwürdigkeit der Regulierung und darum, ob nationale Regeln im globalen Online-Geschäft tatsächlich durchgesetzt werden können.

Timm Schaffner

Seit mehr als zehn Jahren arbeitet Timm Schaffner als freier Redakteur für diverse Online-Magazine und gilt als anerkannter Experte für iGaming. Zu seinen besonderen Fachgebieten zählen das deutsche Glücksspielrecht sowie internationale Entwicklungen...