Viele Fans wunderten sich gestern beim Eröffnungsspiel der Fußball-WM zwischen Mexiko und Südafrika: Der Live-Stream bei Tipico wirkte unscharf, lief nur in einem kleinen Fenster und ließ sich nicht einmal auf Vollbild schalten. In den sozialen Medien wurde deshalb schnell über angebliche technische Probleme oder einen fehlerhaften Stream spekuliert.
Keine Pannen, sondern Absicht?
Tatsächlich deutet jedoch vieles darauf hin, dass diese Einschränkungen gar keine Pannen waren. Nach Angaben des beliebten WM-Wettanbieters entsprechen sie den Bedingungen der Streaming-Rechte für die Weltmeisterschaft.
Der Hintergrund:
Die umfassenden TV-Rechte liegen in Deutschland bei MagentaTV. Damit dieser Hauptrechteinhaber nicht mit kostenlosen oder günstigeren Alternativen konkurrieren muss, dürfen andere Anbieter ihre Übertragungen nur unter bestimmten Auflagen zeigen. Dazu gehören unter anderem eine deutlich niedrigere Bildqualität sowie Beschränkungen bei der Größe des Videofensters.
Niedrige Auflösung in kleinem Format
Für Zuschauer wirkt das auf den ersten Blick wie ein fehlerhafter Stream. Tatsächlich handelt es sich aber offenbar um bewusst eingebaute Begrenzungen. Wer die Spiele in voller Auflösung und auf dem gesamten Bildschirm sehen möchte, muss auf die offiziellen TV-Übertragungen ausweichen.
Viele Neukunden hatten die Anforderungen nicht verstanden
Hinzu kommt, dass nicht jeder Nutzer automatisch Zugriff auf die Streams erhält. Die Übertragungen sind nur für verifizierte Kunden verfügbar, die bestimmte Kontoanforderungen erfüllen: Sie müssen entweder über ein Guthaben auf dem Tipico-Konto verfügen oder eine Wette bei Tipico in den letzten 24 Stunden platziert haben. Einige Fans hielten deshalb gesperrte Streams oder Login-Hürden ebenfalls fälschlicherweise für technische Fehler.
Bei der FIFA traten technische Probleme ebenfalls auf
Ganz ohne echte Technikprobleme startete das Turnier allerdings nicht. Auf der offiziellen FIFA-Ticketplattform kam es kurzzeitig zu einem Fehler bei der Zahlungsabwicklung. Dadurch konnten einige Fans WM-Tickets scheinbar kostenlos erwerben. Die betroffenen Buchungen wurden später jedoch wieder aufgehoben.
Vorsicht vor illegalen Streaming-Angeboten zur WM!
Außerdem warnen Sicherheitsexperten derzeit vor gefälschten Streaming-Angeboten rund um die WM. Kriminelle nutzen die hohe Nachfrage aus und verbreiten Apps oder Webseiten, die offiziellen Übertragungen täuschend ähnlich sehen. Dahinter verbergen sich jedoch oft Schadprogramme oder Formulare zum Diebstahl von Zugangsdaten. Nur sehr wenige Wettanbieter ohne OASIS (also solche, die außerhalb Deutschlands lizenziert sind) verfügen über das Recht, die WM-Spiele zu streamen. In Deutschland darf dies nur Tipico.
Wer also beim WM-Auftakt über die Qualität des Tipico-Streams enttäuscht war, hat vermutlich keinen Softwarefehler erlebt. Vielmehr scheinen die auffälligen Einschränkungen Teil eines Systems zu sein, das die exklusiven Übertragungsrechte der großen TV-Anbieter schützen soll.